Fußschmerzen bzw. Schmerzen im gesamten Bewegungsapparat können vielerlei Ursachen haben. Auf der Suche nach der Ursache sollte stets der gesamte Körper in Betracht gezogen werden. Da die Nervenbahnen sich durch den gesamten Körper ziehen und Muskeln immer ein Teil einer Muskelkette sind, können auch Fußschmerzen durch Ursachen einer anderen Körperregion ausgelöst werden.
Hier finden Sie eine Auflistung aller vorkommenden Fußfehlstellungen, die zu Fußschmerzen führen:
Der Spreizfuß - Pes transversoplanus
Mögliche Ursachen:
Konstitutionelle Bindegewebeschwäche. Überhöhte Vorfußbelastung durch zum Beispiel unzweckmäßig geformtes Schuhwerk, hohe Absätze, Übergewicht, berufsbedingte Überbelastung durch langes Stehen. Der Spreizfuß ist außerdem eine Folgeerscheinung beim Hohlfuß, Knick-Plattfuß oder Polyarthritis.
Im allgemeinen kommt der Spreizfuß nicht allein vor, sondern zusammen mit einer Fußdeformität, wie dem Knick-Plattfuß oder dem Hohlfuß. Andererseits kann gerade der Spreizfuß vorwiegend oder allein die Ursache von Fußbeschwerden sein, was dann auch bevorzugt zu behandeln ist.
Man unterscheidet den passiv zu korrigierenden Spreizfuß von dem kontrakten Spreizfuß. Das Tiefertreten der Mittelfußköpfchen 2,3 und 4 führt zur Abflachung des Quergewölbes und einem Auseinanderweichen der Mittelfußstrahlen. Der Vorfuß verbreitert sich. Die Zugrichtung der an den Zehen ansetzenden Sehnen verändert sich, ein Muskelungleichgewicht tritt ein und Deformitäten der Zehen sind die Folge: Hallux valgus, Hammerzehen , Krallenzehen, Schwielenbildung und Druckproblematik unter den Mittelfußköpfchen 2, 3 und 4.
Versorgung:
Schuheinlagen mit einer guten Spreizfußpelotte
in Verbindung mit einer Schuhzurichtung (Schmetterlingsrolle) ist in den meisten Fällen eine gute Möglichkeit zur Schmerzlinderung.
Beim kontrakten Spreizfuß wird gebettet und entlastet. Ein Korrekturdruck wird hier nicht vertragen und hat wenig Wirkung.
Veränderungen zum Normalfuss:
- Quergewölbe abgesenkt
- Hallux Valgus
- Hammerzehenbildung
- leichte Hohlfußkomponente
Funktionseinschränkung oder Verlust:
- schmerzhafte Abrollung
- Schonhaltung
Zielsetzung:
- Entlastung des Vorfußes
- Druckumverteilung
- normales Gangbild
Der Hallux Valgus
Der Hallux Valgus gehört zu den häufigsten Fehlstellungen in der Bevölkerung. Meist in Verbindung mit einem Senk-Spreizfuß charakterisiert er sich durch das Abkippen der großen Zehe im Grundgelenk in Richtung kleine Zehen. Dazu kommt häufig noch die Innenrotation der Zehe.
Durch die Fehlbelastung im Gelenk beginnt sich das Grundgelenk athrotisch zu verändern und wird schmerzhaft.
Der Hallux Valgus resultiert aus einem Muskelungleichgewicht im Fuß, wobei die große Zehe in Richtung der kleinen Zehen gezogen wird.
Ursache kann eine Schwäche im Bindegewebe sein, dies ist auch vererbbar. Das Bindegewebe hält die Mittelfußstrahlen nicht genügend zusammen. Diese fächern sich langsam auf und die Muskelzüge der Muskulatur, die die Zehen normalerweise gerade halten, verändern Ihre Zugrichtung. Durch die daraus resultierende Veränderung der Belastungszonen entsteht häufig am inneren Fußrand eine chronische schmerzhafte Schleimbeutelbildung und eine erhöhte Knochenbildung als Schutzreaktion des Körpers. Ein entzündeter Schleimbeutel ist sehr schmerzhaft und sollte keine weitere Reibung durch enge Schuhe abbekommen. Da der aus dem Lot geratene Muskelzug die Fehlstellung unweigerlich immer weiter ausbildet sollte, durch Physiotherapie speziell für den Fuß dagegen vorgegangen werden.
Spezielle Orthesen oder Einlagen können helfen die Abweichung aufzuhalten.
Der Plattfuß - pes planus
Veränderungen zum Normalfuss:
- abgeflachtes Längsgewölbe
- und Quergewölbe
- Vorfuß abduziert
- Fersenbein in Valgusstellung und waagerecht abgeflacht
Funktionseinschränkung oder Verlust:
- schlechte Abrollung
- starke Belastung im Mittelfuß
- keine Abfederung mehr möglich
Zielsetzung:
- Entlastung des Vorfußes
- Druckumverteilung
- normales Gangbild
Der Hohlfuß - Pes excavatus
Kennzeichnend für den Hohlfuß ist eine Überhöhung des Inneren und äußeren Längsgewölbe in unbelasteten sowie belastetem Zustand.
Das Fersenbein steht in Steilstellung und supiniert. Der Auftrittswinkel des ersten Mittelfußknochens wird dadurch größer. Damit der Vorfuß Bodenkontakt erfahren kann, muß er sich im pronatorischen Sinne drehen und sich nach plantar Plantar bedeutet Füßsohlenwärts bewegen.
Vor und Rückfuß sind gegeneinander abgeknickt. Durch die zunehmende Verdrehung des Fußes kommt die Großzehenbeere unter der Sohlenebene heraus. Durch die Pronation Pronation bedeutet: Heben des aüßeren Fußrandes Aufdrehung des Vorfußes, tritt der Großzehenballen tiefer und wird zur Hauptbelastungsfläche des Vorfußes. Zehenveränderungen in Hammer und Krallenzehen prägen sich langsam aus und unter den Mittelfußköpfchen entstehen Schwielen und Hornhautstellen. Die Dorsalextension ist durch die Lageveränderung des Talus eingeschränkt. Das Fersenbein befindet sich in Steilstellung. Großer Auftrittswinkel des 1 Mittelfußknochens, Zehendeformitäten.
Der Gang wird stampfend und unelastisch.
Versorgung:
Stufen – Einlagen zur Streckung des Längsgewölbes.
Die Einlagenversorgung beim teilkontrakten Hohlfuß des Erwachsenen kann nach dem Prinzip der Hohlfußversorgung erfolgen. Aufgrund der fixierten Fehlform ist die Einlagenversorgung jedoch nicht auf Korrektur ausgerichtet. Entsprechend sollte die gut anmodellierte Einlage einen stützenden Effekt haben. Dadurch ist es möglich, an den Auflagestellen der Einlagen Last zu übernehmen und die im Sinne einer dynamischen Fehlform zu entlasten. Gegebenenfalls kann zusätzlich eine gezielte Entlastung von schmerzenden Fußregionen vorgenommen werden. So können zum Beispiel an bestimmten Druckpunkten, etwa im Ballenbereich, zusätzlich Polster eingearbeitet werden. Bei extrem ausgeprägten Fehlformen ist eine Schmerzlinderung und Belastungsnormalisierung oft nur durch eine Fußbettung möglich. Ausnehmunngen und Polsterungen können so viel effizienter eingearbeitet werden.
Ursache:
Als Ursache kann eine Spastische oder schlaffe Lähmung in Frage kommen, welche auch vererblich ist.
Veränderungen zum Normalfuss:
- starkes Längsgewölbe
- Steilstellung der Mittelfußknochen
- starke Belastung der Mittelfußknochen 1-5
- hoher Spann
- der hintere Fußhebel ist verkürtzt
- schlanke Ferse mit starker Fersenrundung
- Hallux Valgus
Funktionseinschränkung oder Verlust:
- kein Fersenauftritt
- Abstoßung eingeschränkt
- oberes Sprunggelenk (OSG) eingeschränkt
Zielsetzung:
- Entlastung des Vorfußes
- Druckumverteilung
- Verbesserung der Abwicklung
Der Hackenfuß - Pes calcaneus
Beim Hackenfuß ist die Ferse steil bodenwärts gedreht, so dass die Gelenkfunktion des oberen Sprunggelenks stark beeinträchtigt wird. Der Fußrücken liegt beim Neugeborenen fast an der Unterschenkel Vorderseite an. Bei Neugeborenen ist oft ein spontaner Rückgang der Fehlbildung zu beobachten. Ansonsten gibt es folgende Therapiemöglichkeiten:
- Krankengymnastik zur Kräftigung der Wadenmuskulatur
- Einlagen, die Ferse wird dadurch rückverlagernd gebettet
- Schuhzurichtung wie zum Beispiel ein Schleppenabsatz
- Operation durch Umverlagerung der Muskelzüge
Die Malleolengabel auf der Talusrolle ist nach hinten verlagert. Die Fußsenker / Flexoren sind geschädigt. Der Fuß kann nicht plantar flexiert plantar flexiert bedeutet fußsohlenwärts bewegtwerden. Kurz: Die Dorsalextension Dorsalextension bedeutet dass sich der Fuß in Richtung Fußrücken hebt ist zu ungunsten der Plantarflexoren Plantarflexoren sind Muskeln, welche für die Fußsenkung zuständig sindverstärkt. Der hintere Hebelarm des Fußes ist verkürzt. Nur die Ferse betritt den Boden. Der Betroffene hat meist ein kleinschrittiges Gangbild. Unter der Ferse entstehen Druckbeschwerden.
Ursache:
- Trauma der Achillessehne
- angeboren
- Muskelungleichgewicht der Extensoren
Veränderungen zum Normalfuss:
- Fersenbein Steilstellung
- keine Belastung im Vorfuß möglich
- volle Belastung auf der Ferse
Funktionseinschränkung oder Verlust:
- Plantarflexion kaum möglich
- Dorsalextension eingeschränkt
- kein Zehenstand
- scheinbare Beinverkürzung
Zielsetzung:
- Abrollung ermöglichen
- Druckumverteilung
- Belastung des Vorfußes
Der Klumpfuß
Pes equino-varus- excavatus et
Ursache:
- Vererbung
- Trauma
- Bänderschwäche
- Kinderlähmung
- Schlaganfall
Veränderungen zum Normalfuß:
- Fersenbein supiniert in Spitzfußstellung
- Spitzfuß,-Sichelfußstellung
- Hohlfußkomponente
- starke Belastung des 5 Strahls
- Krallenzehen
- verkürzte Fußlänge
Funktionseinschränkung oder Verlust:
- Abduktion nicht möglich
- eingeschränkte Dorsalextension
- harter Auftritt, die Abwicklung ist beeinträchtigt
- Labilität des oberen Sprunggelenk OSG
- unteres Sprungelenk (USG) meist teilweise kontrakt
Zielsetzung:
- Druckumverteilung
- seitlicher Knöchelhalt
- erleichterte Abwicklung
- besseres Gangbild
Beinlängendifferenz
Bei jeder Beinlängendifferenz ist eine Beinträchtigung der gesamten Körperstatik nicht auszuschließen. Je nach Größe und Art der Beinlängendifferenz können Wirbelsäule, Hüfte, Knie, und Sprunggelenk, sowie das Gehen erheblich beeinträchtigt werden. Bevor bei einer Beinlängendifferenz ausgeglichen wird, ermittelt der Arzt genau den Grund der Differenz.
Dabei wird unterschieden in funktionelle Beinlängendifferenz und in eine anatomische Beinlängendifferenz.
Ursachen einer anatomischen Beinlängendifferenz können sein: Wachstumsstörungen, Dyslasien im Hüftgelenk, Fußfehlstellungen (zum Beispiel ein Klumpfuß), Schädigung der Wachstumsfuge, Tumore, Operationen usw.
Ursachen für eine funktionelle Beinlängendifferenzen werden meist verursacht durch Haltungsschäden, Muskelverkürzungen oder Überdehnung sowie Muskelverhärtungen oder Schwächen im Oberschenkel, im Becken- und Kreuzbereich oder in der Brust und Halswirbelsäule. Auch Blockaden von Wirbelkörpern oder Blockaden im Illiosakralgelenk können zu einer funktionellen Beinlängendifferenz führen.
Wenn die Beine unterschiedlich lang sind kommt es zum Beckenschiefstand. Der Beckenschiefstand beeinflusst aber Lende, Brust und Halswirbelsäule und bringt sie aus dem Lot.
Dadurch können Beschwerden wie Schmerzen im Kreuz , Genick und an den Rippen sowie Skoliosen und chronische Bursitiden entstehen.
Verletzungen des Sprunggelenks
Bei verspätetem Einsetzen der fußeigenen Stützmuskulatur, zum Beispiel beim unerwarteten Umknicken müssen die Kapseln und Bänder am Sprunggelenk die gesamte einwirkende Kraft tragen.
Ist die einwirkende Kraft zu groß, entstehen kleine Mikrorisse bzw. Verletzungen im Kapselapparat wie zum Beispiel Stauchungen oder Distorsionen.
Ein extremes Umknicken kann die Kapsel reißen lassen und das vordere Außenband wird durchtrennt.
Bei 70% der Bandrupturen handelt es sich um das vordere und bei ca.25% um das hintere Außenband. Das hintere Außenband ist jedoch nur selten betroffen.
Ein Umknicken nach innen und eine damit mögliche verbundene Verletzung des Innenbandes kommt sehr selten vor.
Bei diesen Verletzungen treten oft Risse in den Bandverbindungen und zwischen Schien- und Wadenbein auf. Ebenso sind Brüche des Außenknöchels nicht auszuschließen.
Das typische Inversionstrauma mit Bandlässion entsteht in der Regel bei 20°-30° Plantarflexion.
Bei Verletzung der Außenbänder können auch Knochen, Knorpel oder weitere kleinere Bänder betroffen sein. Deshalb ist eine genaue Untersuchung wichtig.
Vor allem wenn der Fuß in einer unnormalen Stellung steht, das Belasten unmöglich ist oder ein deutlicher Bluterguß entsteht.
Nicht behandelte Verletzungen des Sprunggelenks können dauerhafte Schmerzen, Instabilität und Arthrose zur Folge haben.
Beim Umknicken werden Muskel und Bänderapperat geschwächt und begünstigen ein wiederholtes Umknicken. Dies ergibt ein erhöhtes Verletzungsrisiko .
Test:Talusvorschub
Bei einer Ruptur des lig.talofibulare fällt der Test positiv aus.
Test:Taluskippung
Bei Ruptur des lig.talofibulare anterius und lig.calcaneofibulare fällt der Test positiv aus.Bei einer Distorsion darf der Patient gleich wieder laufen, wenn mit einer Orthese oder Einlage ein erneutes Umknicken verhindert wird.
Bei Schwellungszuständen um das Sprunggelenk können Maßbandagen mit speziellen Pelotten eine Linderung der Beschwerden herbeiführen und dabei das koordinative Defizit der geschwächten Muskulatur und der Bänder ausgleichen.
Einlagen, Bandagen und Orthesen reduzieren auch bei starker Belastung im Alltag oder erhöhtem Risiko beim Sport die Verletzungsrisiken.
Bei gewissenhaftem Umgang mit seinem Körper können wir lange beschwerdefrei durchs Leben gehen.
Die Verletzungen des Sprunggelenks werden in 3 Klassen unterschieden:
Klasse 1: Zerrung Partialruptur ohne Instabilität.
Klasse 2: Ruptur der Ligamentum talofibulare anterius der Schubladeneffekt ist sichtbar.
Klasse 3: zusätzliche Ruptur des ligcalcaneofibulare der Supinationstest mit Talusabkippung ist positiv.
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